Geschichte des Domicilium

Dem Leben inmitten von Leben dienen

„Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich zur Meditation gefunden habe. Das war in den 80er-Jahren. Ich war eine junge Mutter von sechs Kindern und fühlte mich überlastet. Mein Mann Bogdan erzählte mir damals von seinen Erfahrungen mit Zen. Er hatte 1988 zusammen mit Pater Hugo Enomiya-Lassalle das Buch „Mein Weg zum Zen“ im Kösel-Verlag herausgebracht. Ich war fasziniert und fuhr gespannt zum Meditationshaus St.-Franziskus in Dietfurt zu meinem ersten Sesshin bei Pater Lassalle.

„Sesshin“, das bedeutet „Sammeln des Herzgeistes“ – und genau das erfuhr ich beim Meditieren. Diese kraftgebende und spirituelle Erfahrung trägt mich bis heute. Für Bogdan und mich war das Kennenlernen von Zen ein derart starkes Erlebnis, dass wir beschlossen, einen Ort zu schaffen, an dem sich Interessierte zur Zen-Meditation treffen können. So entstand mit großer Hingabe und viel Unterstützung das Domicilium am Hochufer der Mangfall.“

— Helena Snela

Bogdan und Helena Snela gründeten 1986 das Domicilium

Das Domicilium dient dem Leben inmitten von Leben. Zum einen mit der Hospiz-Gemeinschaft als Ort der Geborgenheit und Fürsorge. Kranke und Sterbende können dort ihre letzte Lebenszeit im familiären Rahmen des betreuten Wohnens selbstbestimmt und in Würde verbringen. Der palliativ-erfahrene Pflegedienst sichert die medizinisch-pflegerische Versorgung. Als Ort der Inspiration und Stille steht das Domicilium zum anderen für Spiritualität und Bildung. Es ermöglicht mittels eines Kursangebots für spirituelle Wege und Persönlichkeitsbildung einen inneren Wachstumsweg. Die freie, ökumenische und interdisziplinäre Palliativ-Spirituelle Akademie konzentriert sich auf Bildungsangebote aus der Palliativ- und Hospizarbeit und aus medizinischen Bereichen.

1986

Leitenkistler Anwesen in Weyarn, entstanden 1593, Foto von 1986

Leitenkistler Anwesen in Weyarn, entstanden 1593 (Foto von 1986)

Pater Lassalle bei der Einweihung des Domiciliums 1986

Pater Lassalle bei der Einweihung des Domiciliums 1986

Der gemeinnützige Verein  Domicilium zur Integration sozial Verwaister wird von dem Theologen Dr. Bogdan Snela und der Psychologin Mag. Phil. Helena Snela ins Leben gerufen. Mitauslöser für die Vereinsidee ist ein Projekt des Jugendamtes München, bei dem drei sozialverwaiste Kinder in die intakte und bereits bestehende Familie mit ihren drei leiblichen Kindern integriert werden. Die Vereinsgründung geht aus dem Kontakt und Austausch mit anderen Pflege- und Adoptiveltern auf der gemeinsamen Suche nach einer Kraftquelle hervor. Die Begegnung mit dem Jesuitenpater Hugo Enomiya-Lassalle und seinem Unterricht in Zen-Meditation führt zu einer spirituellen Ausrichtung des Vereins, die zu dieser Kraftquelle wird. Seit dieser Zeit ist die Verbindung von Mediation und sozialem Engagement das Herzstück des Vereins. Um der Arbeit des Vereins einen Ort zu geben, wird das Leitenkistler Anwesen in Weyarn erworben und ein Meditationshaus gegründet.

1999

Karl-Dost-Hütte im Bau, der Grundsetin der Hospizarbeit

Karl-Dost-Hütte, der Grundstein der Hospizarbeit 1999

Die Erfahrungen in der Meditation schenken einem krebskranken Mann mit ärztlich prognostizierter sechsmonatiger Lebenserwartung Kraft und Frieden, was seinem Leben Tiefe und Zuversicht gibt und seine Ängste vor dem Tod mindert. Aus dieser neuen Qualität des ihm verbleibenden Lebens entsteht sein Wunsch, im Domicilium leben und sterben zu dürfen. Auf dem Gelände wird ein Häuschen errichtet, wo er bis zu seinem Tod vor Ort betreut wird. Aus dieser existenziellen Erfahrung der palliativ-spirituellen Sterbebegleitung erwächst die Motivation, Kranken und Sterbenden die Möglichkeit zu geben, in ihrer letzten Lebensphase ein erfülltes, sinnvolles und, soweit möglich, schmerzarmes und angstfreies Leben führen zu können. Dies ist der Grundstein für die Gründung der Domicilium Hospiz-Gemeinschaft.

2001

Menschen sitzen in einem Zeit bei der Einweihung der Domicilium Akademie

Gründung der Akademie unter der Rektorenschaft von Prof. Dr. Michael von Brück

Um den Aufgaben der Betreuung von Kranken und Sterbenden fachlich gerecht zu werden, gründet der Verein die Domicilium Akademie, die multiprofessionelle Fortbildungen und Symposien im palliativen, medizinischen und spirituellen Bereich anbietet. Seitdem dienen diese Veranstaltungen der Enttabuisierung von Sterben und Tod und der damit verbundenen Veränderung des Bewusstseins unserer Gesellschaft. Darüber hinaus wird ein Ausbildungs- und Fortbildungsprogramm für Menschen angeboten, die sich in der Hospiz-Bewegung engagieren wollen. Rektor und spiritueller Leiter der Akademie ist der renommierte Religionswissenschaftler Prof. Dr. Michael von Brück.

2004

Historische Aufnahme mit Stifterin Gertraud Gruber und weiteren Personen

Gertraud Gruber (zweite von links) bei der Eröffnung des Hopiz-Gebäudes 2004

Gertraud Gruber aus Rottach-Egern stiftet den Bau eines Hospiz-Gebäudes, in dem bis zu acht schwerkranke und sterbende Menschen in Geborgenheit und familiärer Atmosphäre medizinisch, psychologisch und spirituell begleitet werden. Einige hundert Seelen haben sich mittlerweile von hier aus auf die Reise gemacht.

2007

Eine Person im Rollstuhlund ein Gast sitzen auf dem Balkon der Hospiz-Gemeinschaft

Kranke, Sterbende und ihre Angehörigen erfahren eine würdevolle Begleitung

Um auf die wachsende Nachfrage nach Hospizplätzen zu reagieren und die komplexe Versorgung der Schwerkranken und Sterbenden zu ermöglichen, wird der Domicilium Ambulanter Pflegedienst gegründet.

2018

Meditationshalle im Domicilium

Große Meditationshalle des Sanbo Zendo Weyarn 2018

Das Meditations- und Seminarhaus des Domicilium wird um eine große Meditationshalle erweitert und das Sanbo Zendo Weyarn unter der Leitung von Prof. Dr. Migaku Sato eingeweiht. Es greift die Ästhetik eines traditionellen japanischen Zendo auf und bietet Raum für Sitzmeditation von bis zu 60 Personen.

Heute

Teilnehmende in einem Seminar

Kurs zur Trauerbegleitung

Die Förderung der spirituellen Bildung und der Hospizarbeit steht im Mittelpunkt des Engagements des Domicilium. Durch die direkte Nachbarschaft des Meditations- und Seminarhauses mit der Hospiz-Gemeinschaft entsteht eine bereichernde Symbiose für eine intensive Arbeit. In über hundert Kursen pro Jahr zu Zen, Spiritualität und Bildung finden Teilnehmende eine Zeit zum Entfalten und einen Raum für die Persönlichkeitsbildung.