{"id":16343,"date":"2025-01-22T12:00:07","date_gmt":"2025-01-22T11:00:07","guid":{"rendered":"https:\/\/domicilium.de\/zen-spiritualitaet-bildung\/?p=16343"},"modified":"2025-01-24T10:51:17","modified_gmt":"2025-01-24T09:51:17","slug":"richard-stiegler-achtsames-leben-unberuehrt-und-andaechtig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/domicilium.de\/zen-spiritualitaet-bildung\/richard-stiegler-achtsames-leben-unberuehrt-und-andaechtig\/","title":{"rendered":"Richard Stiegler: \u201eAchtsames Leben \u2013 Unber\u00fchrt und and\u00e4chtig“"},"content":{"rendered":"\t\t
Ein neues Jahr liegt vor uns \u2013 wie eine unber\u00fchrte Winterlandschaft. Ist es nicht ein erhabener Anblick, wenn wir im Winter unterwegs sind und eine noch jungfr\u00e4uliche Schneedecke im Sonnenlicht glitzern sehen? And\u00e4chtig setzen wir Schritt f\u00fcr Schritt eine neue Spur in eine neue, stille Welt voller majest\u00e4tischer W\u00fcrde.<\/p>
Hat die Landschaft nur in diesen besonderen Momenten eine W\u00fcrde, wo sie uns so unverstellt und verzaubert erscheint? Oder hat sie diese eigentlich immer \u2013 auch dann noch, wenn sie von vielen Spuren gezeichnet ist oder der Schnee taut?<\/p>
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Was ist W\u00fcrde?<\/strong><\/p> Was ist eigentlich W\u00fcrde und was macht sie aus? Vielleicht taucht bei manchen Lesenden beim Begriff \u201eW\u00fcrde\u201c die Assoziation eines K\u00f6nigs auf, der, die Krone auf dem Haupt, gemessenen Schrittes durch einen Saal schreitet. Oder wir h\u00f6ren eine Dame, die eine einfache Arbeit verrichten soll, pikiert klagen: \u201eDas ist unter meiner W\u00fcrde.\u201c Vielleicht fallen uns auch M\u00e4nner ein, die sich in ihrer Ehre gekr\u00e4nkt f\u00fchlen und dann glauben, ihre W\u00fcrde mit Gewalt verteidigen oder wiederherstellen zu m\u00fcssen? Aber haben diese Beispiele wirklich mit der W\u00fcrde eines Menschen zu tun oder doch nur mit pers\u00f6nlichen Eitelkeiten?<\/p> Es gibt viele Assoziationen zum Begriff \u201eW\u00fcrde\u201c. H\u00e4ufig f\u00fchren sie uns jedoch auf eine falsche F\u00e4hrte, denn, hat eine Landschaft nur dort eine W\u00fcrde, wenn sie unber\u00fchrt \u2013 in Abendrot getaucht \u2013 vor uns liegt? Oder hat sie diese eigentlich immer, auch wenn sie \u2013 von Menschenhand gezeichnet \u2013 keine Bilderbuchlandschaft mehr ist. Hat ein Mensch nur dort W\u00fcrde, wo er oder sie als neugeborenes Wesen auf die Welt kommt, oder auch dann noch, wenn er oder sie vom Leben gezeichnet auf dem Sterbebett liegt?<\/p> \u00a0<\/p> Selbstwert und W\u00fcrde<\/strong><\/p> Normalerweise ist der Begriff \u201eW\u00fcrde\u201c mit unserem Selbstwertgef\u00fchl verkn\u00fcpft. Doch das sind zwei unterschiedliche Kategorien. Wie wir alle schon erfahren haben, kann das Selbstwertgef\u00fchl stark schwanken. Wir k\u00f6nnen uns wertlos f\u00fchlen und eine starke Scham empfinden. Genauso k\u00f6nnen wir uns aber auch gro\u00dfartig f\u00fchlen, uns \u00fcber andere erheben und mit stolz geschwellter Brust herumlaufen. Sich wertvoll zu f\u00fchlen oder nicht, h\u00e4ngt stark davon ab, ob sich gerade unsere Wertvorstellungen und Ideale erf\u00fcllen oder nicht, und auch davon, ob uns andere Menschen wertsch\u00e4tzen oder entwerten.<\/p> Aber verliert ein Mensch seine W\u00fcrde, blo\u00df weil ihm etwas misslingt und er sich sch\u00e4mt? Kann man einer Person ihre W\u00fcrde nehmen, wenn man sie entwertet und sie sich klein gemacht f\u00fchlt? \u00c4ndert sich die W\u00fcrde eines Menschen, wenn er kurzzeitig stolz als Sieger auf einem Siegertreppchen steht?<\/p> \u00a0<\/p> W\u00fcrde ist kein Gef\u00fchl<\/strong><\/p> Die Kategorie \u201eW\u00fcrde\u201c reicht offensichtlich viel tiefer als der gef\u00fchlte Selbstwert. Tats\u00e4chlich ist sie davon unabh\u00e4ngig. Denn W\u00fcrde ist kein Gef\u00fchl, sondern der grundlegende Wert, der der Existenz eines Wesens immanent ist. Daher nennt man ihn auch den seins-haften oder essenziellen Wert. Erst wenn wir unsere Ideen \u00fcber Wert und Unwert zur Seite stellen, k\u00f6nnen wir die W\u00fcrde einer Person erkennen. Sobald wir aber die Brille unserer \u00fcblichen Werturteile aufsetzen, sehen wir nur ein Zerrbild unserer Vorstellungen, aber nicht die davon unabh\u00e4ngige nat\u00fcrliche W\u00fcrde eines lebendigen Gesch\u00f6pfes.<\/p> Wenn wir zum Beispiel einen Baum betrachten, k\u00f6nnen wir ihn sch\u00f6n oder h\u00e4sslich finden, anmutig oder profan. Aber erst dort, wo wir all unsere Vorstellungen und Vorlieben zur Seite stellen und kontemplativ seine Existenz in uns aufnehmen, \u00f6ffnet sich uns die W\u00fcrde des Baumes, welche eine viel tiefere Wirklichkeit besitzt als all unsere \u00fcblichen geistigen Zuschreibungen und Kategorien. Oder wenn wir irgendeinen Menschen betrachten, k\u00f6nnen wir ihn \u201esympathisch\u201c und \u201eattraktiv\u201c finden oder als \u201euninteressant\u201c oder \u201eunm\u00f6glich\u201c abqualifizieren. Aber erst jenseits des Schleiers unserer Urteile und Vorlieben k\u00f6nnen wir diesem Menschen wirklich nahekommen und seinen essenziellen Wert, der in seinem Sein begr\u00fcndet liegt, erkennen.<\/p> \u00a0<\/p> Eine unber\u00fchrte Landschaft<\/strong><\/p> Wenn die W\u00fcrde eines Wesens in seiner Existenz liegt und nicht von Wertvorstellungen und Rollenbildern abh\u00e4ngt, dann kann sie auch nicht vermehrt oder vermindert werden. Wir k\u00f6nnen unserer W\u00fcrde nichts hinzuf\u00fcgen oder wegnehmen, auch wenn es manchmal so erscheint. Sie ist unsere nat\u00fcrliche, lebendige Existenz \u2013 unabh\u00e4ngig davon, welche Dramen, Pr\u00e4gungen, Erfolge oder Misserfolge, Auszeichnungen und Schm\u00e4hungen wir erleben.<\/p> \u201eIch wusste, man kann mich zu Asche machen. Obwohl die W\u00fcrde im Kern immer unber\u00fchrt bleibt, hat es gleichzeitig eine enorme Bedeutung, ob wir die W\u00fcrde eines Wesens sehen und anerkennen oder nicht. Wie behandeln wir beispielsweise eine andere Person, die eine gegens\u00e4tzliche und f\u00fcr uns unakzeptable Meinung vertritt, wenn wir gleichzeitig die W\u00fcrde dieses Menschen anerkennen? Wie gehen wir selbst durchs Leben, wenn wir in unserer nat\u00fcrlichen W\u00fcrde \u2013 und damit in unserem seins-haften Wert \u2013 gegr\u00fcndet sind? Wie viel f\u00e4llt von uns ab, wenn wir sp\u00fcren, dass keine Attribute und keine Anstrengungen daf\u00fcr n\u00f6tig sind, um wertvoll zu sein?<\/p> K\u00f6nnte es nicht ein wunderbares Motto f\u00fcr das Jahr 2025 sein, sich bei allen oberfl\u00e4chlichen Ereignissen und Verwerfungen kommender Monate immer wieder auf das Wesentliche von Existenz zu besinnen: die W\u00fcrde alles Lebendigen?<\/p> \u00a0<\/p> \u00dcBUNG: Selbstwert, Strategien und W\u00fcrde<\/strong><\/p> Ein neues Jahr liegt vor uns \u2013 wie eine unber\u00fchrte Winterlandschaft. Ist es nicht ein erhabener Anblick, wenn wir im Winter unterwegs sind und eine noch jungfr\u00e4uliche Schneedecke im Sonnenlicht glitzern sehen? And\u00e4chtig setzen wir Schritt f\u00fcr Schritt eine neue Spur in eine neue, stille Welt voller majest\u00e4tischer W\u00fcrde.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":16344,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_mo_disable_npp":"","inline_featured_image":false,"_lmt_disableupdate":"no","_lmt_disable":"","footnotes":""},"categories":[105],"tags":[],"class_list":["post-16343","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kolumne-richard-stiegler"],"acf":[],"yoast_head":"\n
Aber ich wusste auch, dass es etwas in mir gibt, das nicht sterben kann.\u201c<\/em>
Jehuda Bacon (ein Auschwitz-\u00dcberlebender)<\/p><\/blockquote>
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