{"id":16060,"date":"2024-12-02T13:03:54","date_gmt":"2024-12-02T12:03:54","guid":{"rendered":"https:\/\/domicilium.de\/zen-spiritualitaet-bildung\/?p=16060"},"modified":"2025-01-24T10:51:00","modified_gmt":"2025-01-24T09:51:00","slug":"richard-stiegler-achtsames-leben-jeder-morgen-neu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/domicilium.de\/zen-spiritualitaet-bildung\/richard-stiegler-achtsames-leben-jeder-morgen-neu\/","title":{"rendered":"Richard Stiegler: \u201eAchtsames Leben \u2013 Jeder Morgen neu“"},"content":{"rendered":"\t\t
Heute hat sich das erste T\u00fcrchen im Adventskalender ge\u00f6ffnet. Welch sch\u00f6ner alter Brauch der Vorbereitung und Vorfreude auf das kommende Weihnachtsfest. Jeden Morgen eine neue \u00dcberraschung und eine kleine Freude, die sich beim \u00d6ffnen der T\u00fcren ereignet. Wahrlich ein Sinnbild daf\u00fcr, dass das Leben uns t\u00e4glich neu beschenkt. Vielleicht sind die vielen Geschenke, die traditionell an Weihnachten ausgetauscht werden auch nichts anderes als Erinnerungen daran, dass uns jeder Augenblick geschenkt ist.<\/p>
Wie w\u00fcrden wir wohl leben, wenn uns bewusst w\u00e4re, dass alles, was unser Leben ausmacht, ein Geschenk ist und sich das T\u00fcrchen ins Leben jeden Morgen f\u00fcr uns neu \u00f6ffnet?<\/p>
\u00a0<\/p>
Die Geburt als Sch\u00f6pfungsakt<\/strong><\/p> Machen wir uns nochmal bewusst, was das zentrale Ereignis ist, das Menschen auf der ganzen Welt an Weihnachten feiern: Es ist die Geburt Jesu. Oder anders ausgedr\u00fcckt: die Menschwerdung Gottes. Wenn man dieses ber\u00fchrende Ereignis, das hier so eindr\u00fccklich und lebensnah geschildert wird, in eine spirituelle Sprache \u00fcbersetzt, dann bedeutet das nichts anderes, als dass das Absolute \u2013 der Urgrund des SEINs \u2013 in einem Sch\u00f6pfungsakt lebendig wird und Gestalt annimmt.<\/p> Wo ist dieses Wunder anschaulicher und unmittelbarer erlebbar als in der Geburt eines Kindes? Wer bereits einer Geburt beigewohnt hat oder selbst ein Kind geboren hat, kennt dieses \u00fcberw\u00e4ltigende Gef\u00fchl, wenn pl\u00f6tzlich \u2013 wie aus dem Nichts \u2013 ein vollkommen neues, lebendiges Wesen auf die Welt kommt und in unseren Armen liegt. Wer ein Neugeborenes betrachtet, kann gar nicht anders als tiefe Ergriffenheit zu sp\u00fcren. Wie die Hirten in der biblischen Geschichte werden wir zu Zeugen von etwas Gro\u00dfem und Unbegreiflichem, das uns dem\u00fctig staunen l\u00e4sst.<\/p> \u00a0<\/p> Das gro\u00dfe allt\u00e4gliche Wunder<\/strong><\/p> In diesem Sinne ist die Geburt Jesu in der Weihnachtsgeschichte ein Symbol f\u00fcr den immerw\u00e4hrenden Sch\u00f6pfungsakt, der sich in uns allen vollzieht. Letztlich geht es also nicht um die Geburt eines Kindes, sondern um die Geburt in jedem Augenblick! Wir werden daran erinnert, dass sich das Wunder der Sch\u00f6pfung mit jedem Herzschlag, mit jedem Atemzug und in jedem inneren oder \u00e4u\u00dferen Geschehen im Spiegel unserer Bewusstheit offenbart.<\/p> Ist es nicht erstaunlich, dass wir Menschen oft das Spektakul\u00e4re und die Sensationen suchen und dabei das gro\u00dfe Wunder \u00fcbersehen, das sich unentwegt vor unseren Augen abspielt?<\/p> Und w\u00e4re Christus tausendmal<\/em> \u00a0<\/p> Die Schattenseite des Denkens<\/strong><\/p> Vielleicht ist es aber auch nicht erstaunlich, dass das gro\u00dfe Wunder, das sich in jedem Augenblick ereignet, meist hinter einem Schleier von Selbstverst\u00e4ndlichkeit verborgen liegt. Es hat n\u00e4mlich schlicht mit der Art zu tun, wie unser Gehirn Eindr\u00fccke verarbeitet. So wunderbar unser Gehirn und unsere F\u00e4higkeit zu denken ist, es hat auch eine gro\u00dfe Schattenseite. Die meisten Wahrnehmungen werden n\u00e4mlich vom Gehirn als bekannt und damit als alt und bereits dagewesen behandelt.<\/p> Wenn wir einatmen, gaukelt unser Gehirn uns vor, dass wir den Vorgang kennen und wir bereits tausende Male auf die gleiche Weise eingeatmet haben. Wenn aber etwas bekannt ist, dann nimmt unsere Aufmerksamkeit dramatisch ab und wir \u00fcbersehen das Einzigartige, das sich hier ereignet. Leider beschr\u00e4nkt sich dieser Vorgang, vieles als selbstverst\u00e4ndlich zu nehmen, nicht aufs Atmen oder unseren K\u00f6rper, der in jedem Augenblick zu neuer Lebendigkeit erwacht, sondern pr\u00e4gt sogar den Kontakt zu den liebsten und wichtigsten Menschen in unserem Umfeld. Welch ein Verlust!<\/p> \u00a0<\/p> Wieder und wieder aufwachen!<\/strong><\/p> Der Verlust, der durch den Schleier der Selbstverst\u00e4ndlichkeit entsteht, ist sogar noch viel tiefgreifender als wir zun\u00e4chst glauben m\u00f6gen. Wenn wir uns n\u00e4mlich nicht mehr vom Leben ber\u00fchren und ergreifen lassen und das Wunder des Lebens empfinden, ist unsere Seele verloren \u2013 verloren in der Funktionalit\u00e4t des Alltags und des Denkens, abgeschottet in einer flachen, sinnentleerten und oberfl\u00e4chlichen Konsumwelt, in der es nur um die pers\u00f6nliche Bed\u00fcrfnisbefriedigung \u2013 also um das pers\u00f6nliche kleine Gl\u00fcck \u2013 geht.<\/p> Wenn wir daher das Wunder von Bethlehem sp\u00fcren wollen und dem Geheimnis des Lebens nahekommen wollen, das sich fortw\u00e4hrend mitten in unserem Leben vollzieht, geht es darum, zu realisieren, dass nichts selbstverst\u00e4ndlich ist \u2013 kein einziger Atemzug, kein L\u00e4cheln und kein noch so allt\u00e4gliches Geschehen! K\u00f6nnen wir sp\u00fcren, wie sich in jedem kleinsten Geschehen das Unbegreifliche und Unermessliche offenbart?<\/p> Ich w\u00fcnsche allen Leserinnen und Lesern eine im Herzen friedliche Advents- und Weihnachtszeit!<\/p> Gegenwart<\/em> Wie tr\u00fcb ist oft der Blick<\/em> Unter dem Schleier<\/em> \u00a0<\/p> \u00dcBUNG: Der Filter der Selbstverst\u00e4ndlichkeit<\/strong><\/p> Heute hat sich das erste T\u00fcrchen im Adventskalender ge\u00f6ffnet. Welch sch\u00f6ner alter Brauch der Vorbereitung und Vorfreude auf das kommende Weihnachtsfest. Jeden Morgen eine neue \u00dcberraschung und eine kleine Freude, die sich beim \u00d6ffnen der T\u00fcren ereignet. Wahrlich ein Sinnbild daf\u00fcr, dass das Leben uns t\u00e4glich neu beschenkt. Vielleicht sind die vielen Geschenke, die traditionell an Weihnachten ausgetauscht werden auch nichts anderes als Erinnerungen daran, dass uns jeder Augenblick geschenkt ist.<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":16069,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_mo_disable_npp":"","inline_featured_image":false,"_lmt_disableupdate":"no","_lmt_disable":"","footnotes":""},"categories":[105],"tags":[],"class_list":["post-16060","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kolumne-richard-stiegler"],"acf":[],"yoast_head":"\n
in Bethlehem geboren,<\/em>
doch nicht in dir,<\/em>
du w\u00e4rest ewiglich verloren.<\/em>
(Angelus Silesius)<\/p><\/blockquote>
Wie n\u00fcchtern klingt doch dieses Wort!<\/em>
Kaum passiert man diese schmale Pforte<\/em>
Ergie\u00dft sich eine Flut an K\u00f6stlichkeiten<\/em>
Ein Atemraum so frei wie Fl\u00fcgel<\/em>
Ein Korpus durchstr\u00f6mender Lebendigkeit<\/em>
Das Licht der Sonne in tausenderlei Farben<\/em>
Die gro\u00dfe Symphonie der Kl\u00e4nge, die niemand spielt<\/em><\/p>
Wie taub die Ohren<\/em>
Besch\u00e4ftigt der Geist mit altbekannten Gedanken<\/em>
Und vermeintlichen Wichtigkeiten<\/em><\/p>
Einer allzu vertrauten Welt<\/em>
Brandet die immer junge Flut voll kleiner Wunder:<\/em>
Gegenwart
<\/em>(Richard Stiegler)<\/p><\/blockquote>
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