{"id":10340,"date":"2021-02-15T19:17:17","date_gmt":"2021-02-15T18:17:17","guid":{"rendered":"https:\/\/domicilium.de\/zen-spiritualitaet-bildung\/?p=10340"},"modified":"2023-05-16T19:20:52","modified_gmt":"2023-05-16T17:20:52","slug":"richard-stiegler-achtsames-leben-wann-wann-wann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/domicilium.de\/zen-spiritualitaet-bildung\/richard-stiegler-achtsames-leben-wann-wann-wann\/","title":{"rendered":"Richard Stiegler: \u201eAchtsames Leben \u2013 Sch\u00f6ne neue Welt\u201c"},"content":{"rendered":"\t\t
15. Februar 2021<\/span><\/p>\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t Wir leben in einem digitalen Zeitalter. Fast jeder Mensch sitzt heute immer wieder vor dem PC oder dem Smartphone – ob im Beruf oder in der Freizeit, um Kontakte zu pflegen oder einen Einkauf zu t\u00e4tigen. Durch die Pandemie hat diese Entwicklung noch an Fahrt aufgenommen und die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass sich das nicht mehr \u00e4ndern wird, auch wenn eine R\u00fcckkehr zur gesellschaftlichen Normalit\u00e4t irgendwann wieder m\u00f6glich sein wird. Nat\u00fcrlich gibt uns die Digitalisierung vieler Lebensbereiche enorme M\u00f6glichkeiten an die Hand, die besonders jetzt in dieser Ausnahmezeit bedeutsam sind. Wie froh sind wir doch, dass wir zumindest \u00fcbers Internet einkaufen k\u00f6nnen, dass wir \u00fcbers Handy mit unseren Freund*innen Kontakt halten k\u00f6nnen, dass Home-Office in vielen Berufen m\u00f6glich ist und viele unserer Kinder zumindest notd\u00fcrftig \u00fcber digitale Plattformen unterrichtet werden k\u00f6nnen.<\/strong> Also alles gut? Digital hei\u00dft vor allem viel<\/strong><\/p> Die Digitalisierung birgt gro\u00dfe Chancen, keine Frage. Aber sie hat auch ihre Schattenseiten, die beachtet werden wollen. So f\u00fchrt die Flut an Informationen und Bildern, die \u00fcber uns in einer atemberaubenden Geschwindigkeit hinwegrauschen, dazu, dass wir kaum noch Luft holen und die Eindr\u00fccke verdauen k\u00f6nnen. Unsere Seele arbeitet n\u00e4mlich viel langsamer als unser Verstand. Um etwas wirklich aufnehmen und verarbeiten zu k\u00f6nnen, brauchen wir Zeit. So f\u00fchren die Schnelligkeit und die Menge der Eindr\u00fccke zu einer Reiz\u00fcberflutung, die unser Leben oberfl\u00e4chlich macht. Wir erleben und erfahren dabei nur scheinbar ganz viel. Doch tats\u00e4chlich bleibt das Erleben flach, die Verbindung nach innen nimmt ab und unser Hunger nach echten, tiefen Erfahrungen nimmt immer mehr zu. Ist die Zukunft k\u00f6rperlos?<\/strong><\/p> Ein anderer problematischer Aspekt der neuen Medien ist, dass das visuelle System eine immer noch gr\u00f6\u00dfere Dominanz bekommt. Anders gesagt: Bildschirme sind heutzutage allgegenw\u00e4rtig. Ob im Auto, auf dem Smartphone, an der U-Bahn oder am Arbeitsplatz, \u00fcberall wird unser Blick durch das bewegte Bild angezogen. Selbst f\u00fcr die Bedienung von modernen Ger\u00e4ten sind oft keine Kn\u00f6pfe mehr n\u00f6tig, sondern nur noch eine glatte Glasscheibe, auf der dann rein visuell Buttons erscheinen. Die sch\u00f6ne neue Welt ist eine visuelle Welt! Die anderen Sinne, wie das haptische Sp\u00fcren, das H\u00f6ren, das Riechen und \u00fcberhaupt alles K\u00f6rperliche wird dabei sukzessive in den Hintergrund gedr\u00e4ngt. Ist die Zukunft etwa immer mehr k\u00f6rperlos? Bilder essen Seele auf<\/strong><\/p> Um zu ermessen, was es bedeutet, wenn das Visuelle \u00fcberhandnimmt, ist es hilfreich, sich zu vergegenw\u00e4rtigen, welche Bedeutung das Sehen in unserem Leben einnimmt. Mit dem Sehen erscheint eine \u00e4u\u00dfere Welt, in der es klare handhabbare Objekte gibt. Dadurch k\u00f6nnen wir uns gut im Au\u00dfen orientieren und zielgerichtet handeln. Doch was einerseits die St\u00e4rke des visuellen Systems ist, dass es eine Au\u00dfenwelt hervorbringt, ist auch gleichzeitig seine Schw\u00e4che. Der Fokus unserer Aufmerksamkeit wird dabei n\u00e4mlich nach au\u00dfen gezogen und die unmittelbare Verbindung nach innen nimmt ab. Stellen wir uns doch mal vor, wie es w\u00e4re, wenn wir nur sehen k\u00f6nnten, und die anderen Sinne von Sp\u00fcren, H\u00f6ren und F\u00fchlen abgeschaltet w\u00e4ren? Wir h\u00e4tten kein Gef\u00fchl mehr f\u00fcr uns selbst. Wie ein seelenloser Zombie w\u00fcrden wir alles um uns herum sehen k\u00f6nnen und auch funktionieren, aber die unmittelbare lebendige Resonanz aus unserem Inneren w\u00fcrde fehlen. Um als lebendiges Gesch\u00f6pf anwesend zu sein, brauchen wir n\u00e4mlich einen K\u00f6rper und ein f\u00fchlendes Wesen, in dem Empfindungen aufsteigen. Der K\u00f6rper als Bindeglied<\/strong><\/p> Wenn wir also nicht wollen, dass das Viele und das Visuelle der digitalen Inhalte mehr und mehr unser Selbstgef\u00fchl auffrisst, dann gilt es, aktiv daf\u00fcr Sorge zu tragen, eine Ausgleichsbewegung zu finden. Diese k\u00f6nnte darin liegen, bewusst R\u00e4ume aufzusuchen, in denen nicht das Viele, sondern das Wenige und Langsame vorherrscht. Wie wohltuend ist doch ein Spaziergang in Wald oder Wiese? Wie langsam und unspektakul\u00e4r sind hier die Eindr\u00fccke? Und wie l\u00e4sst die Natur uns in Ruhe, um wieder eine innere Verbindung herzustellen? Eine andere M\u00f6glichkeit ist es, sich regelm\u00e4\u00dfig eine Zeit f\u00fcr stille Meditation einzurichten. Ist diese nicht geradezu revolution\u00e4r im Gegensatz zur Informationsflut im Internet? \u00dcBUNG: Den K\u00f6rper von innen her bewohnen<\/strong><\/p> Wir leben in einem digitalen Zeitalter. Fast jeder Mensch sitzt heute immer wieder vor dem PC oder dem Smartphone – ob im Beruf oder in der Freizeit, um Kontakte zu pflegen oder einen Einkauf zu t\u00e4tigen. Durch die Pandemie hat diese Entwicklung noch an Fahrt aufgenommen und die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass sich das nicht mehr \u00e4ndern wird, auch wenn eine R\u00fcckkehr zur gesellschaftlichen Normalit\u00e4t irgendwann wieder m\u00f6glich sein wird. Nat\u00fcrlich gibt uns die Digitalisierung vieler Lebensbereiche enorme M\u00f6glichkeiten an die Hand, die besonders jetzt in dieser Ausnahmezeit bedeutsam sind. <\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":10343,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_mo_disable_npp":"","inline_featured_image":false,"_lmt_disableupdate":"","_lmt_disable":"","footnotes":""},"categories":[105],"tags":[],"class_list":["post-10340","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kolumne-richard-stiegler"],"acf":[],"yoast_head":"\n
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F\u00fchlen wir uns nicht manchmal eigenartig leer und entfremdet, wenn wir l\u00e4ngere Zeit an einem Bildschirm gesessen haben? Vielleicht m\u00fcsste der ber\u00fchmte Filmtitel von Rainer Werner Fassbinder \u201eAngst essen Seele auf\u201c heute lauten: \u201eBilderflut essen Seele auf\u201c.
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Doch geht es nicht nur darum, bewusst R\u00e4ume der Entschleunigung und der Einfachheit zu pflegen, sondern auch die Dominanz des Visuellen aufzubrechen und bewusst die anderen Sinne – Sp\u00fcren, H\u00f6ren und F\u00fchlen – zu n\u00e4hren. Dazu m\u00fcssen wir immer wieder unseren K\u00f6rper und unsere Seele in den Mittelpunkt stellen. Besonders das K\u00f6rperliche dient hier als Bindeglied f\u00fcr einen Kontakt zu uns selbst. Ob wir Joggen, Tanzen oder Yoga\u00fcbungen machen – das visuelle System und das Denken treten sofort in den Hintergrund und k\u00f6nnen sich dabei entspannen. Noch intensiver wird der Kontakt zu uns, wenn wir uns mit einer vertieften Aufmerksamkeit dem k\u00f6rperlichen Innenraum zuwenden und ganz unmittelbar dem Atmen und den energetischen Empfindungen im K\u00f6rper lauschen. Wir werden \u00fcberrascht sein, welch tiefes Wohlgef\u00fchl sich ausbreitet, wenn wir wieder unseren K\u00f6rper von innen her bewohnen.
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