{"id":10300,"date":"2021-06-30T18:53:14","date_gmt":"2021-06-30T16:53:14","guid":{"rendered":"https:\/\/domicilium.de\/zen-spiritualitaet-bildung\/?p=10300"},"modified":"2023-05-16T19:33:32","modified_gmt":"2023-05-16T17:33:32","slug":"richard-stiegler-achtsames-leben-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/domicilium.de\/zen-spiritualitaet-bildung\/richard-stiegler-achtsames-leben-zeit\/","title":{"rendered":"Richard Stiegler: \u201eAchtsames Leben \u2013 Fernweh\u201c"},"content":{"rendered":"\t\t
\u00a030. Juni 2021 <\/span><\/p>\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t Manche Menschen fiebern das ganze Jahr auf den Urlaub hin und betrachten ihn als die Kr\u00f6nung eines modernen Lebens. Glaubt man den Versprechungen der Werbeprospekte, k\u00f6nnte man sowieso zu der \u00dcberzeugung gelangen, dass sich der Sinn des Lebens in einem immerw\u00e4hrenden Urlaubstrip an den Str\u00e4nden s\u00fcdlicher Gefilde erf\u00fcllt. Vielleicht ist es auch kein Wunder, dass in einer Leistungsgesellschaft wie der unseren der Sehnsuchtsort auf einer Liege am Meer unter der Sonne des S\u00fcdens zu finden ist.<\/p> \u00a0<\/p> Fernweh?<\/strong><\/p> \u00dcberall kann man beobachten, wie es derzeit alle Welt hinauszieht. Hinaus in die Natur, in die Bierg\u00e4rten, zu Kontakten mit Freund*innen, in die ersten kulturellen Veranstaltungen und vor allem hinaus in den heraufziehenden Sommer. Ist das ein Wunder? Nach dem langen Corona-Winter mit vielen Einschr\u00e4nkungen und der Reduktion auf das kleine h\u00e4usliche Umfeld ist es nur nat\u00fcrlich, dass wir ein gro\u00dfes Bed\u00fcrfnis versp\u00fcren, wegzufahren. Wir wollen endlich wieder raus aus den altvertrauten vier W\u00e4nden, neue, frische Luft schnuppern und die belebende Wirkung einer anderen Umgebung sp\u00fcren. Fernweh liegt in der Luft und die Reiselust hat viele gepackt.<\/p> \u00a0<\/p> Urlaub als Verhei\u00dfungsort<\/strong><\/p> Wenn wir die Urlaubs- und Reisesehnsucht des modernen Menschen und die riesige Industrie der Reisebranche betrachten, ist das Fernweh offensichtlich eine wesentliche Sehnsucht des Menschen. Das Bed\u00fcrfnis, dem gewohnten Umfeld und dem Tagwerk zeitweise zu entfliehen, gab es wohl schon immer, aber dass der Urlaub zum Verhei\u00dfungsort unserer allt\u00e4glichen M\u00fchen geworden ist, ist historisch wohl doch eher eine sehr junge Entwicklung.<\/p> Manche Menschen fiebern das ganze Jahr auf den Urlaub hin und betrachten ihn als die Kr\u00f6nung eines modernen Lebens. Glaubt man den Versprechungen der Werbeprospekte, k\u00f6nnte man sowieso zu der \u00dcberzeugung gelangen, dass sich der Sinn des Lebens in einem immerw\u00e4hrenden Urlaubstrip an den Str\u00e4nden s\u00fcdlicher Gefilde erf\u00fcllt. Vielleicht ist es auch kein Wunder, dass in einer Leistungsgesellschaft wie der unseren der Sehnsuchtsort auf einer Liege am Meer unter der Sonne des S\u00fcdens zu finden ist. Wie entt\u00e4uschend muss es wohl sein, wenn man bemerkt, dass der Urlaub oder eine Reise nicht automatisch nur Gl\u00fcck und gro\u00dfe Erf\u00fcllung bedeutet und eine l\u00e4ngere Zeit am Strand letztlich doch sehr sinnentleert ist und eine neue Form der Routine mit sich bringt.<\/p> \u00a0<\/p> Wie wir im Alltag verkleben<\/strong><\/p> Was verbirgt sich also wirklich im Fernweh? Was suchen wir eigentlich am Meer oder in den Bergen? Was l\u00e4sst uns in die weite Welt \u2013 in andere L\u00e4nder und Landschaften \u2013 ziehen?<\/p> Ein zentraler Aspekt ist dabei sicherlich die Suche nach Abstand. Je l\u00e4nger uns n\u00e4mlich etwas Vertrautes umgibt, desto mehr verkleben wir damit und unsere Wahrnehmung wird zunehmend stumpfer. Das betrifft unsere vertraute Wohnung genauso wie die Menschen, mit denen wir tagt\u00e4glich zusammenleben. Das k\u00f6nnen wir in unserer Arbeit ebenso beobachten, wie in unserer Abendgestaltung. \u00dcber alles legt sich mit der Zeit der Schleier der Gewohnheit. Wie eine dicke Staubschicht alle Farben blass und matt erscheinen l\u00e4sst, so legt sich auch hier ein fader Geschmack \u00fcber die Dinge unseres allt\u00e4glichen Lebens.<\/p> \u00a0<\/p> Die Kunst, aktiv herauszutreten<\/strong><\/p> Erst wenn etwas geschieht, das die Pforten unserer sinnlichen Wahrnehmung reinigt, k\u00f6nnen wir unsere Umgebung wieder neu sehen und vor allen Dingen wieder f\u00fchlen. So kann durch ein unerwartetes Ereignis der gewohnte Blickwinkel vollkommen aufgebrochen werden und uns schlagartig die Kostbarkeit des Lebens neu empfinden lassen.<\/p> Nun m\u00fcssen wir Gott sei Dank nicht auf einen Schicksalsschlag warten. Nein, wir k\u00f6nnen selbst aktiv f\u00fcr inneren Abstand sorgen. Das kann durch eine Reise in eine unvertraute Landschaft \u2013 also im Urlaub \u2013 geschehen, die uns aus der Routine des Alltags holt. Genauso k\u00f6nnen uns aber auch neue Begegnungen oder ungewohnte Aktivit\u00e4ten ganz wach machen. Entscheidend ist, dass sich durch die hohe Konzentration auf etwas Neues, Unvertrautes unsere Wahrnehmung wieder \u00f6ffnet. Der Moment verdichtet sich so stark, dass das Alte und Gewohnte zur\u00fccktritt und sich damit ein innerer Abstand einstellt. Gleichzeitig entsteht eine f\u00fcr den Alltag ungewohnte Intensit\u00e4t und damit Pr\u00e4senz.<\/p> \u00a0<\/p> Fernweh oder vielleicht doch Heimweh?<\/strong><\/p> Eine noch radikalere Form des Heraustretens ist sicherlich ein Meditationsretreat, in dem wir bewusst alles, was unser Leben ausmacht, zur\u00fccklassen, um uns der Gegenwart und der Stille zu widmen. Nat\u00fcrlich ist diese Form zun\u00e4chst viel unbequemer als ein Urlaub am Strand, aber in gewisser Weise ist sie noch viel reinigender. Denn wir nutzen hier nicht neue Eindr\u00fccke, um einen inneren Abstand zu den alten zu erm\u00f6glichen, sondern treten aus allen Bez\u00fcgen und Ablenkungen heraus und verdichten durch die Praxis der Meditation und des Erforschens den Augenblick auf eine ganz unmittelbare Art und Weise.<\/p> Wir d\u00fcrfen n\u00e4mlich nicht vergessen, dass wir im Alltag nicht nur mit den \u00e4u\u00dferen vertrauten Dingen und Beziehungen verkleben. Nein, wir verkleben auch mit uns selbst. Die Rollen, die wir tagt\u00e4glich einnehmen, bestimmen schleichend immer st\u00e4rker unser Selbstgef\u00fchl. Fast unmerklich geht verloren, dass es ein SEIN jenseits von Rollen, Verpflichtungen und Beziehungen gibt \u2013 ein SEIN, das frei und unbedingt ist. Hier \u00f6ffnet sich eine Liebe zu allem und ein Erf\u00fclltsein, das jenseits von Bed\u00fcrftigkeit und Konsum existiert.<\/p> Ist es nicht letztlich das, was wir zuinnerst in der Ferne oder im Retreat suchen? Ein Heimkommen zu uns selbst? K\u00f6nnte es sein, dass der Sehnsuchtsort im Fernweh eigentlich ganz nah ist, n\u00e4mlich tief in unserem Inneren?<\/p> \u00a0<\/p> \u00dcBUNG: Eine Basis\u00fcbung f\u00fcr inneren Abstand<\/strong><\/p> Folgender Fragezyklus wird mehrmals nacheinander f\u00fcr 10 Minuten gestellt. Immer wenn die dritte Frage beantwortet und verkostet wurde, beginnt man erneut mit der ersten Frage\u2026 Auf diese Weise wird auf eine systematische Art und Weise immer mehr innerer Abstand eingeladen und vertieft.<\/p> Frage dich zum Schluss: Wenn du von allem, was dein Leben derzeit \u00e4u\u00dferlich oder innerlich ausmacht, zur\u00fccktrittst, was breitet sich dann innerlich aus? Wie erf\u00e4hrst du hier dein Sein? Welche Qualit\u00e4t \u00f6ffnet sich in der Seele?<\/p><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t Manche Menschen fiebern das ganze Jahr auf den Urlaub hin und betrachten ihn als die Kr\u00f6nung eines modernen Lebens. Glaubt man den Versprechungen der Werbeprospekte, k\u00f6nnte man sowieso zu der \u00dcberzeugung gelangen, dass sich der Sinn des Lebens in einem immerw\u00e4hrenden Urlaubstrip an den Str\u00e4nden s\u00fcdlicher Gefilde erf\u00fcllt. Vielleicht ist es auch kein Wunder, dass in einer Leistungsgesellschaft wie der unseren der Sehnsuchtsort auf einer Liege am Meer unter der Sonne des S\u00fcdens zu finden ist. <\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":10303,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_mo_disable_npp":"","inline_featured_image":false,"_lmt_disableupdate":"","_lmt_disable":"","footnotes":""},"categories":[105],"tags":[],"class_list":["post-10300","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kolumne-richard-stiegler"],"acf":[],"yoast_head":"\n