{"id":10279,"date":"2021-10-05T18:40:15","date_gmt":"2021-10-05T16:40:15","guid":{"rendered":"https:\/\/domicilium.de\/zen-spiritualitaet-bildung\/?p=10279"},"modified":"2023-05-16T19:35:53","modified_gmt":"2023-05-16T17:35:53","slug":"richard-stiegler-achtsames-leben-verbundenheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/domicilium.de\/zen-spiritualitaet-bildung\/richard-stiegler-achtsames-leben-verbundenheit\/","title":{"rendered":"Richard Stiegler: \u201eAchtsames Leben \u2013 Zufluchtsorte\u201c"},"content":{"rendered":"\t\t
5. Oktober 2021<\/span><\/p>\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t Zufluchtsorte<\/strong><\/p> Sehnen wir uns im Alltag nicht oft nach Orten der Zuflucht, an denen wir loslassen und auftanken k\u00f6nnen? Und projizieren wir diese Sehnsucht nicht typischerweise auf den Urlaub? M\u00fcssen wir also warten, bis wir wieder Urlaub haben?<\/p> In der buddhistischen Tradition wird die spirituelle Praxis als \u201eZuflucht\u201c bezeichnet. Tats\u00e4chlich kann zum Beispiel eine regelm\u00e4\u00dfige Meditationspraxis zu einem Zufluchtsort im Getriebe des Alltags werden, an dem wir uns immer wieder niederlassen und f\u00fcr einen Augenblick zur Ruhe kommen und auftanken k\u00f6nnen. Wie ein Schiff immer wieder einen Hafen anfahren muss, um dort zur Ruhe zu kommen und f\u00fcr die n\u00e4chste Fahrt aufzutanken, so ben\u00f6tigt auch jeder Mensch kontemplative Orte, an denen er zu sich kommen kann. Nur in der Ruhe k\u00f6nnen wir verdauen, k\u00f6nnen wir loslassen und auftanken. Und nur in stillen Momenten – ohne jeglichen Input \u2013 k\u00f6nnen wir uns auf das Wesentliche unseres Lebens besinnen: auf die lebendige Gegenwart und das unbedingte SEIN, das allem Leben zugrunde liegt. Wie bedeutsam sind doch Zufluchtsorte und Oasen der Ruhe f\u00fcr unsere innere Balance?<\/p> \u00a0<\/p> Was macht eine gute Praxis aus?<\/strong><\/p> Zweifellos ist es in einer modernen Welt, die sich immer schneller dreht und in der die Informationsflut stetig zunimmt, geradezu elementar notwendig, R\u00e4ume zu pflegen, in denen wir ganz bewusst aus allen \u00e4u\u00dferen Einfl\u00fcssen und Anforderungen aussteigen. Wie sollen wir sonst der zunehmenden Komplexit\u00e4t standhalten, wenn wir nicht Momente der Einfachheit pflegen? Wie wollen wir mit der Schnelligkeit des modernen Lebens Schritt halten, wenn wir nicht immer wieder f\u00fcr Momente aus der Zeit aussteigen?<\/p> Doch was macht eine \u201egute\u201c spirituelle Praxis aus? Diese Frage wird mir immer wieder gestellt. Sollen wir uns t\u00e4glich 20 Minuten aufs Kissen setzen? Und das immer zur selben Zeit? Wie oft h\u00f6re ich von Menschen, dass sie eine solche Praxis nicht mit ihrem Alltag in Einklang bringen oder diese anstrengend finden und wieder sein lassen. Wenn wir also eine Praxis als Zufluchtsort in unserem Alltag etablieren wollen, ist das Wichtigste, dass wir eine stimmige Form entdecken, die wir wirklich gerne machen und welche uns nicht anstrengt, sondern n\u00e4hrt. Denn nur dann werden wir sie auch dauerhaft in unseren Alltag integrieren k\u00f6nnen. Wenn wir dagegen das Gef\u00fchl haben, unsere spirituelle Praxis ist ein weiterer Ort, der Anspr\u00fcche an uns stellt und wir uns entsprechend daf\u00fcr anstrengen m\u00fcssen, werden wir dankend darauf verzichten.<\/p> \u00a0<\/p> Was wir nicht alles sollen<\/strong><\/p> Doch wie schnell geschieht es, dass wir die Anspr\u00fcche, die uns sonst im Leben begleiten, unbewusst auch auf die Praxis \u00fcbertragen: \u201eWir sollen meditieren, und das t\u00e4glich. Wir sollen dabei ganz achtsam in der Gegenwart sein. Wir sollen aus dem Denken aussteigen und tiefer in die Gegenwart eintauchen. Wir sollen m\u00f6glichst gerade sitzen und wach sein. Wir sollen\u2026\u201c Wer hat da noch Lust auf Meditation?<\/p> Folglich ist es wichtig, dass wir entdecken, wie wir uns immer wieder f\u00fcr die Praxis anstrengen und welche Anspr\u00fcche sich darin verbergen. Denn diese Anforderungen und Vorstellungen verleiden uns nicht nur die Meditation, sondern treiben uns auch sonst in unserem Leben an. Je klarer wir diese verinnerlichten Antreiber sehen, desto leichter wird es sein, sie immer wieder f\u00fcr einen Augenblick zur Seite zu legen und die Freiheit zu sp\u00fcren, die sich dann ausbreitet.<\/p> \u00a0<\/p> Meditation ist Freiheit<\/strong><\/p> Meditation ist zuallererst ein Ort der Bedingungslosigkeit und der Freiheit. Die Gegenwart will nichts von uns. Sie ist einfach da \u2013 ob wir uns gerade anstrengen oder nicht. Das Leben flie\u00dft uns zu und die Lebendigkeit des Atems und der K\u00f6rperempfindungen n\u00e4hren uns unaufh\u00f6rlich. Es gibt nichts zu tun daf\u00fcr. Es gen\u00fcgt, da zu sein und uns n\u00e4hren zu lassen. Ist das nicht geradezu unglaublich? Nichts tun m\u00fcssen, nicht etwas Bestimmtes darstellen m\u00fcssen, keinerlei Anspr\u00fcche? Einfach sein d\u00fcrfen \u2013 so wie wir gerade sind?<\/p> \u00a0<\/p> Kleine Erinnerung<\/strong><\/em><\/p> H\u00f6r auf dich anzustrengen<\/em><\/p> Die Stille ist kein roher Stein<\/em> Sie ist kein Tonklumpen<\/em> Leg deine Werkzeuge zur Seite<\/em> Richard Stiegler \u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0<\/em><\/p> \u00a0<\/p> Praxis als innerer Spiegel<\/strong><\/p> So ist es auch nicht entscheidend, wie genau unsere Alltagspraxis aussieht. Ob wir traditionell 20 Minuten auf dem Kissen sitzen oder eine gewisse Zeit auf dem Sofa liegen und dabei lauschend anwesend sind, ob wir t\u00e4glich eine Yogapraxis machen oder lieber regelm\u00e4\u00dfig achtsam spazieren gehen, entscheidend f\u00fcr eine stimmige Alltagspraxis ist nicht das was, sondern das wie. Wichtig ist n\u00e4mlich, dass es eine Form ist, die bedingungslos ist und in der wir uns von neuen Inputs fernhalten. Nur dann kann eine Praxis zu einem Raum des Innehaltens werden, in dem wir sp\u00fcren, wie gerade unsere aktuelle seelische Verfassung ist. Die wichtigste Funktion der Alltagspraxis ist n\u00e4mlich nicht die Tiefe der Erfahrungen, sondern dass sie uns hilft, im wahrsten Sinne des Wortes immer wieder zu uns zu kommen. Aus diesem Grund ist es notwendig, dass wir immer das Gleiche tun – also uns in eine bestimmte Form, die uns entspricht, hineingeben. Dann erst wird die Form zu einem inneren Spiegel, in welchem wir uns erkennen k\u00f6nnen.<\/p> Welche Praxisform wir auch immer f\u00fcr uns entdecken, wir k\u00f6nnten zu Beginn ein paar zentrale S\u00e4tze kontemplieren: \u201eDasein gen\u00fcgt.\u201c Oder: \u201eDas, was ist, ist.\u201c Oder: \u201eJeder Augenblick – ein Heimkommen.\u201c Diese oder \u00e4hnliche S\u00e4tze k\u00f6nnen uns helfen, uns innerlich auf die Haltung der Bedingungslosigkeit einzustimmen und zu sp\u00fcren, dass wir nichts daf\u00fcr tun m\u00fcssen, damit Stille entsteht, sondern im Gegenteil, dass wir in der Stille immer bedingungslos angenommen sind. Was k\u00f6nnte n\u00e4hrender sein?<\/p> \u00a0<\/p> \u00dcBUNG: Die Alltagspraxis<\/strong><\/p> Sehnen wir uns im Alltag nicht oft nach Orten der Zuflucht, an denen wir loslassen und auftanken k\u00f6nnen? Und projizieren wir diese Sehnsucht nicht typischerweise auf den Urlaub? M\u00fcssen wir also warten, bis wir wieder Urlaub haben?<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":10282,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_mo_disable_npp":"","inline_featured_image":false,"_lmt_disableupdate":"","_lmt_disable":"","footnotes":""},"categories":[105],"tags":[],"class_list":["post-10279","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kolumne-richard-stiegler"],"acf":[],"yoast_head":"\n
Den du wie ein Bildhauer<\/em>
Mit dem Mei\u00dfel der Achtsamkeit bearbeiten musst<\/em><\/p>
Aus dem du wie ein T\u00f6pfer<\/em>
Etwas formen kannst<\/em><\/p>
Und entspann dich<\/em>
Lass die Stille an dir arbeiten<\/em>
Das ist genug<\/em><\/p>
Wie reagiert dein K\u00f6rper spontan darauf? Wie reagiert deine Seele? Kommt es zu einer subtilen Kontraktion oder Anstrengung? Kann dein Inneres bei diesen Vorstellungen entspannen und sich frei f\u00fchlen?<\/li>