{"id":10272,"date":"2021-11-08T18:36:09","date_gmt":"2021-11-08T17:36:09","guid":{"rendered":"https:\/\/domicilium.de\/zen-spiritualitaet-bildung\/?p=10272"},"modified":"2023-05-16T18:39:31","modified_gmt":"2023-05-16T16:39:31","slug":"richard-stiegler-achtsames-leben-unter-druck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/domicilium.de\/zen-spiritualitaet-bildung\/richard-stiegler-achtsames-leben-unter-druck\/","title":{"rendered":"Richard Stiegler: \u201eAchtsames Leben \u2013 Verbundenheit\u201c"},"content":{"rendered":"\t\t
\u00a0 8. November 2021 <\/span><\/p>\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t Wenn es nicht mehr rund l\u00e4uft<\/strong><\/p> Zurzeit erleben wir eine f\u00fcr unsere Gesellschaft ungewohnte Situation: Pl\u00f6tzlich l\u00e4uft ganz vieles nicht mehr rund. Es gibt zu wenig Microchips und Aluminium, so dass viele Produktketten ins Stocken geraten. Baustoffe fehlen oder werden pl\u00f6tzlich enorm teuer. Sogar das Papier wird knapp, was zur Folge hat, dass B\u00fccher nicht nachgedruckt werden k\u00f6nnen. Ganz zu schweigen von den vielen Fachkr\u00e4ften, die in einzelnen Branchen fehlen. So k\u00f6nnen manche Gastst\u00e4tten wegen Personalmangels nicht \u00f6ffnen, viele Intensivbetten nicht in Betrieb genommen werden, Reparaturen verz\u00f6gern sich auf unbestimmte Zeit, da keine Handwerker aufzutreiben sind, und IT-Technikerinnen und Lastkraftfahrer sind absolute Mangelware. Sind wir uns normalerweise bewusst, wie verzahnt alle Dinge sind? Meistens nicht. Das Prinzip der Verbundenheit ist f\u00fcr unser Leben so grundlegend wie die Schwerkraft oder die Luft zum Atmen, so dass wir es meistens ausblenden. Doch was w\u00fcrde passieren, wenn die Schwerkraft nur f\u00fcr einen kurzen Augenblick aussetzt oder uns keine Luft mehr umgibt? Und was w\u00fcrde passieren, wenn die wechselseitige Verbundenheit nur f\u00fcr einen Augenblick abhandenkommen w\u00fcrde und wir wirklich von allem isoliert w\u00e4ren? Unsere Existenz w\u00e4re dann sofort beendet, denn Leben kann nicht unabh\u00e4ngig existieren. Um sich dem Prinzip der Verbundenheit und dem Zusammenwirken der Elemente anzun\u00e4hern, kann man den spielerischen Versuch unternehmen, eine l\u00e4ngere Kettenreaktion als Versuchsanordnung aufzubauen. Man kann Stunden damit zubringen, eine simple Reihe aus Dominosteinchen aufzustellen. Wie fragil ist doch bereits eine so einfache und \u00fcberschaubare Anordnung? Und wie oft klappt die erhoffte Kettenreaktion dann nicht? Machen wir uns einmal nur ein paar wenige Elemente bewusst, welche in diesem Augenblick in unsere Existenz hineinwirken. Da ist zun\u00e4chst die Schwerkraft, ohne die wir nicht aufrecht und entspannt sitzen k\u00f6nnten. Unser K\u00f6rper mit seiner Muskulatur und seiner Statik ist letztlich eine direkte Antwort auf die Bedingung der Schwerkraft auf diesem Planeten. Oder betrachten wir die Luft, die uns gerade mit jedem Atemzug durchstr\u00f6mt und am Leben h\u00e4lt. Mit jedem dieser Atemz\u00fcge nehmen wir nicht nur lebensnotwendigen Sauerstoff und andere Gase, sondern auch Atome von allen Lebewesen auf, die jemals existiert haben, und atmen gleichzeitig Atome von den hintersten Winkeln unseres K\u00f6rpers wieder aus. Sogar Sternenstaub aus entfernten Galaxien atmen wir ein. Alle Lebewesen und sogar Sterne sind also materiell in uns anwesend. Ist das nicht erstaunlich? Wer auf diese Weise immer genauer und unmittelbarer betrachtet, wie wir auf allen Ebenen unseres Seins mit allem nicht nur verbunden, sondern eigentlich zutiefst verschr\u00e4nkt sind, dem wird freilich etwas schwindelig. Denn wo beginnt dann unsere Existenz, wenn wir mit allem verschr\u00e4nkt sind? Und wo h\u00f6rt sie auf? Gibt es eine objektive Wirklichkeit, wenn nichts unabh\u00e4ngig vom betrachtenden Subjekt existiert?<\/p> Zurzeit erleben wir eine f\u00fcr unsere Gesellschaft ungewohnte Situation: Pl\u00f6tzlich l\u00e4uft ganz vieles nicht mehr rund. Es gibt zu wenig Microchips und Aluminium, so dass viele Produktketten ins Stocken geraten. Baustoffe fehlen oder werden pl\u00f6tzlich enorm teuer. Sogar das Papier wird knapp, was zur Folge hat, dass B\u00fccher nicht nachgedruckt werden k\u00f6nnen. Ganz zu schweigen von den vielen Fachkr\u00e4ften, die in einzelnen Branchen fehlen. So k\u00f6nnen manche Gastst\u00e4tten wegen Personalmangels nicht \u00f6ffnen, viele Intensivbetten nicht in Betrieb genommen werden, Reparaturen verz\u00f6gern sich auf unbestimmte Zeit, da keine Handwerker aufzutreiben sind, und IT-Technikerinnen und Lastkraftfahrer sind absolute Mangelware.<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":10275,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_mo_disable_npp":"","inline_featured_image":false,"_lmt_disableupdate":"","_lmt_disable":"","footnotes":""},"categories":[105],"tags":[],"class_list":["post-10272","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kolumne-richard-stiegler"],"acf":[],"yoast_head":"\n
So eine Situation hat es seit dem 2. Weltkrieg in Deutschland nicht mehr gegeben und wir reiben uns verwundert die Augen. Die wechselseitige Verbundenheit aller Dinge und Wesen, die in der Spiritualit\u00e4t als die zentrale Erkenntnis gilt, ist eben keine nette Theorie f\u00fcr einzelne Wahrheitssuchende. Sie ist vielmehr ein \u00e4u\u00dferst wirkm\u00e4chtiges Prinzip des Lebens, das wir \u00fcberall sehen k\u00f6nnen, wenn wir unsere Augen \u00f6ffnen.
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Wie alles Leben verzahnt ist<\/strong><\/p>
Kein Baum kann ohne Erdreich, ohne Wasser, Licht, Elemente und ohne das Zusammenspiel mit anderen Lebewesen existieren. Kein Tier ist ohne Nahrung und ohne andere Lebewesen, mit denen es komplexe Beziehungen eingeht, \u00fcberlebensf\u00e4hig. Und auch die Spezies Mensch kann sich trotz ihrer Intelligenz nicht aus dieser unmittelbaren Abh\u00e4ngigkeit herausl\u00f6sen. Daher beschreibt die moderne Naturwissenschaft das Prinzip der Koexistenz und Kooperation von Gesch\u00f6pfen als die zentrale \u00dcberlebensstrategie. Das alte Darwin\u2019sche Prinzip, das Auslese durch St\u00e4rke und Kampf betont, hat an Bedeutung verloren.<\/p>
Kettenreaktionen<\/strong><\/p>
Wer sich bewusst macht, wie viel Aufwand bereits einfache lineare Kettenreaktionen erfordern und wie fragil sie sind, der kann eigentlich nur staunen, wie das Leben durch \u00e4u\u00dferst komplexe und un\u00fcberschaubare Wechselwirkungen zusammengehalten wird und sich daraus immer weiter entfaltet und differenziert.<\/p>
Verbundenheit \u2013 hier und jetzt<\/strong><\/p>
Oder betrachten wir das Licht, das uns die M\u00f6glichkeit gibt, etwas zu erkennen und diesen Text gerade zu lesen. Das Aufnehmen von Licht und Text ist aber keine Einbahnstra\u00dfe. Jeder Text bewirkt in jedem Menschen eigene Gef\u00fchle, Gedanken und Erinnerungen. Auf diese Weise verschr\u00e4nkt der Text sich mit einem Menschen und wird zu einer individuellen, lebendigen Erfahrung in der Seele dieses Menschen. Gibt es also \u00fcberhaupt einen unabh\u00e4ngigen Text, eine unabh\u00e4ngige Wahrnehmung, einen unabh\u00e4ngigen Atemzug und eine unabh\u00e4ngige Welt?<\/p>
Wenn die Identit\u00e4t verschwimmt<\/strong><\/p>
Wie kann es da drau\u00dfen ein mechanisches Universum geben,<\/em>
wenn sich das Universum jedes Mal ver\u00e4ndert,<\/em>
wenn wir unsere Betrachtungsweise \u00e4ndern?\u201c<\/em>
Fred Alan Wolf, Quantenphysiker \u00a0\u00a0 \u00a0 \u00a0<\/em><\/p><\/blockquote>
Obwohl uns bei dieser Betrachtung etwas mulmig werden kann, da die Idee einer feststehenden Identit\u00e4t verschwimmt und die Hoffnung auf Kontrolle angesichts dieser Komplexit\u00e4t fast l\u00e4cherlich erscheint, kann uns die Perspektive der Verbundenheit auch entlasten. Wir sind niemals isoliert, auch wenn wir uns manches Mal so f\u00fchlen. Vielmehr sind wir in jedem Augenblick unseres Lebens in das gro\u00dfe Netz des Lebens eingewebt und leben darin f\u00fcr immer in allem weiter. Ist das nicht tr\u00f6stlich? Wie friedlich und vertrauensvoll k\u00f6nnen wir doch werden, wenn wir diese Dimension von Verbundenheit in uns und in allem sp\u00fcren?
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\u00dcBUNG: Wie unser pers\u00f6nliches Leben verschr\u00e4nkt ist<\/strong><\/p>
Wie wirkt das Leben anderer auf mich ein?
Wie wirke ich auf das Leben anderer ein?
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