{"id":10265,"date":"2021-12-10T18:30:48","date_gmt":"2021-12-10T17:30:48","guid":{"rendered":"https:\/\/domicilium.de\/zen-spiritualitaet-bildung\/?p=10265"},"modified":"2023-05-16T18:35:26","modified_gmt":"2023-05-16T16:35:26","slug":"richard-stiegler-achtsames-leben-silvester-in-stille-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/domicilium.de\/zen-spiritualitaet-bildung\/richard-stiegler-achtsames-leben-silvester-in-stille-2\/","title":{"rendered":"Richard Stiegler: \u201eAchtsames Leben \u2013 Unter Druck\u201c"},"content":{"rendered":"\t\t
10. Dezember 2021<\/span><\/p>\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t Eine Gesellschaft unter Druck<\/strong><\/p> Derzeit k\u00f6nnen wir auf allen Ebenen beobachten, wie eine Gesellschaft immer mehr unter Druck ger\u00e4t. Das Gesundheitssystem st\u00f6hnt unter den Belastungen und die Politik wird von den Ereignissen zu immer h\u00e4rteren Ma\u00dfnahmen getrieben. Wer ein Gesch\u00e4ft betreibt, einen Betrieb hat oder in der Kultur t\u00e4tig ist, hat sicherlich wieder die Sorge, dass starke Einschr\u00e4nkungen bevorstehen. Eltern bangen darum, dass ihre Kinder weiterhin zur Schule gehen k\u00f6nnen und Ungeimpfte haben im Moment sowieso das Gef\u00fchl, dass der gesamte gesellschaftliche Druck auf ihren Schultern abgelegt wird. Wo wir hinschauen, der Druck durch die Pandemie ist \u00fcberall sp\u00fcrbar.<\/p> \u00a0<\/p> Wie die Polarisierung zunimmt<\/strong><\/p> Doch mit dem Druck steigt auch die Spannung in der Gesellschaft und das f\u00fchrt zu einer zunehmenden Polarisierung. Dieses Ph\u00e4nomen ist nicht ungew\u00f6hnlich. Es tritt immer auf, wenn Gesellschaften unter Druck geraten. Denken wir an die Fl\u00fcchtlingskrise von 2015. Da entstand spontan eine Welle der Hilfsbereitschaft, jedoch bildete sich auf der anderen Seite sehr schnell ein Lager aus, das vehement gegen die Aufnahme von Fl\u00fcchtlingen war. Bis heute wirkt dies nach: Unsere Landesgrenzen werden immer noch kontrolliert und die AFD ist in den Bundestag eingezogen. Die Schatten von Polarisierungen wirken also lange nach, obwohl die ausl\u00f6sende Krise selbst bereits seit Jahren vor\u00fcber ist.<\/p> \u00c4hnliches muss man auch jetzt bef\u00fcrchten. Wahrscheinlich werden wir noch viele Jahre mit der Spaltung der Gesellschaft zu tun haben, auch wenn wir irgendwann die Akutphase der Pandemie \u00fcberwunden haben. Daher ist die Polarisierung und die sich daraus ergebende Spaltung mindestens genauso herausfordernd f\u00fcr unsere Demokratie, wie die Pandemie selbst. Wer hat nicht bereits jetzt in seinem engsten Umfeld pl\u00f6tzlich Unverst\u00e4ndnis, Konflikte oder sogar Br\u00fcche erlebt?<\/p> \u00a0<\/p> Wie Identifikation zur Spaltung f\u00fchrt<\/strong><\/p> Wenn wir aber erstmal mit einer bestimmten Position identifiziert sind, entsteht wie bei jeder anderen Identifikation auch eine selektive Wahrnehmung. Wir sehen nur noch das, was unsere Sichtweise best\u00e4tigt. Alles andere blenden wir aus oder wir entwerten es. Daher k\u00f6nnte man sich in der Pandemie mit folgendem Paradox besch\u00e4ftigen:<\/p> \u00a0<\/p> Das Koan in der Pandemie<\/strong><\/em><\/p> Das Leben ist nicht so, wie ich es sehe.<\/em> \u00a0<\/p> Es gibt jedoch noch eine zweite Dynamik, die wir bei Identifikationen beobachten k\u00f6nnen und welche zur Spaltung in Beziehungen ganz erheblich beitr\u00e4gt. Immer n\u00e4mlich, wenn wir einem Menschen begegnen, der unserer Sichtweise widerspricht, sehen wir nicht mehr den ganzen Menschen vor uns, sondern wir sehen nur noch das \u201eFalsche\u201c, welches dieser Mensch f\u00fcr uns vertritt. Es findet also eine Verschiebung in unserer Wahrnehmung statt, bei der wir nur noch auf die Sichtweise des Gegen\u00fcbers schauen und der Mensch dahinter verschwindet. Wir kennen dieses Ph\u00e4nomen von allen schillernden \u00f6ffentlichen Figuren der Geschichte. Wer kann in Donald Trump noch den ganzen (verletzlichen und kostbaren) Menschen sehen, der genauso Respekt verdient, wie jeder andere Mensch auch, unabh\u00e4ngig davon, welche Ansichten oder Verhaltensweisen er nach au\u00dfen an den Tag legt?<\/p> Worauf schauen wir also in unseren Beziehungen? Auf den ganzen Menschen, der (aus welchen Gr\u00fcnden auch immer) eine andere Sichtweise hat? Oder nur noch auf die f\u00fcr uns falsche Position, die unsere eigene Sichtweise bedroht? Wenn ich aber keinen ganzen Menschen vor mir sehe, sondern nur noch eine falsche Position, dann werde ich sehr schnell bereit sein, den anderen fallen zu lassen und die Spaltung ist vollzogen.<\/p> \u00a0<\/p> Das Gesetz der Resonanz<\/strong><\/p> Gott sei Dank k\u00f6nnen wir uns aus dieser unseligen Dynamik befreien. Dazu m\u00fcssen wir uns bewusst machen, wie Identifikationen entstehen. Wie kommen wir \u00fcberhaupt dazu, \u201ef\u00fcr\u201c oder \u201egegen\u201c etwas zu sein? Durch sogenannte Fakten, aus Vernunft oder durch Zahlen, die uns in einer Statistik angeboten werden? Wohl kaum. Tats\u00e4chlich bilden sich unsere Sichtweisen typischerweise dadurch aus, dass einzelne Erfahrungen oder Begegnungen, die uns tiefer ber\u00fchren, sich mit der Zeit zu Lebenshaltungen kondensieren.<\/p> Doch warum ber\u00fchren uns bestimmte Ereignisse oder Begegnungen? Ist das Zufall? Oder gibt es tiefere Gr\u00fcnde daf\u00fcr, dass den einen Menschen eine Lilie und einen anderen eine Mohnblume ber\u00fchrt? Warum finde ich eine bestimmte Wissenschaftlerin glaubw\u00fcrdig und \u00fcberzeugend und meine Nachbarin einen ganz anderen Wissenschaftler? Was in uns Resonanz erzeugt, ist keineswegs zuf\u00e4llig. Wenn uns etwas seelisch ber\u00fchrt, hat dies meistens mit nat\u00fcrlichen Wesensanteilen in uns zu tun, die hier in Schwingung geraten und sich entfalten wollen. Stellen wir uns vor, in uns lebt ein tiefes Bed\u00fcrfnis, ganz authentisch unseren eigenen Weg zu gehen. Ist es da verwunderlich, wenn mich dann Aussagen von Politiker*innen oder Wissenschaftler*innen ber\u00fchren, die die freie Entscheidung betonen?<\/p> \u00a0<\/p> Es gibt viel zu entdecken<\/strong><\/p> Manchmal ber\u00fchren uns aber Ereignisse und Begegnungen auch deshalb, da sie grundlegende Einstellungen zum Leben, die in uns schlummern, best\u00e4tigen. Vielleicht haben wir ein grundlegendes tiefes Misstrauen dem Leben oder Autorit\u00e4ten gegen\u00fcber. Dann wird man in der derzeitigen Pandemie wirklich vieles entdecken k\u00f6nnen, das dieses Misstrauen best\u00e4tigt. Wie anders wird jedoch ein Mensch die derzeitige Situation wahrnehmen, der ein grundlegendes Vertrauen in Autorit\u00e4ten und ins Leben hat?<\/p> Was folgt daraus? Wenn wir unsere Sichtweisen (und unsere Abneigungen) ernst nehmen, und sie nach innen hin erforschen, k\u00f6nnen wir viel \u00fcber uns entdecken. Sowohl Wesensaspekte, die sich in unserem Leben entfalten wollen, werden sp\u00fcrbar, als auch grundlegende Lebenshaltungen, die sich irgendwann gebildet haben und uns unbewusst von innen her leiten, k\u00f6nnen entdeckt werden. Gleichzeitig befreien wir uns aus der inneren Gefangenschaft der Identifikation, denn auf der Ebene unserer Sichtweisen sind wir starr und festgelegt, aber auf der Ebene seelischer Qualit\u00e4ten, die sich hier entfalten wollen, sind wir sehr lebendig. Hier k\u00f6nnen wir sp\u00fcren, was uns kostbar ist und haben gleichzeitig die Freiheit, gegenteilige Facetten zu umfassen. Nur so k\u00f6nnen wir Spaltungstendenzen \u00fcberwinden.<\/p> \u00a0<\/p> \u00dcBUNG: Aus der Polarisierung aussteigen<\/strong><\/p> Lass dir Zeit, dein ver\u00e4ndertes Erleben zu erkunden. Wie schaust du jetzt auf diesen Menschen und wie f\u00fchlst du zu ihm oder ihr? Wie w\u00fcrdest du dich jetzt in der Beziehung verhalten?<\/p> Derzeit k\u00f6nnen wir auf allen Ebenen beobachten, wie eine Gesellschaft immer mehr unter Druck ger\u00e4t. Das Gesundheitssystem st\u00f6hnt unter den Belastungen und die Politik wird von den Ereignissen zu immer h\u00e4rteren Ma\u00dfnahmen getrieben. Wer ein Gesch\u00e4ft betreibt, einen Betrieb hat oder in der Kultur t\u00e4tig ist, hat sicherlich wieder die Sorge, dass starke Einschr\u00e4nkungen bevorstehen. Eltern bangen darum, dass ihre Kinder weiterhin zur Schule gehen k\u00f6nnen und Ungeimpfte haben im Moment sowieso das Gef\u00fchl, dass der gesamte gesellschaftliche Druck auf ihren Schultern abgelegt wird. Wo wir hinschauen, der Druck durch die Pandemie ist \u00fcberall sp\u00fcrbar.<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":10267,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_mo_disable_npp":"","inline_featured_image":false,"_lmt_disableupdate":"","_lmt_disable":"","footnotes":""},"categories":[105],"tags":[],"class_list":["post-10265","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kolumne-richard-stiegler"],"acf":[],"yoast_head":"\n
Und: Das Leben ist so, wie ich es sehe.<\/em>
Wer dieses Paradox versteht, kann sich befreien. \u00a0\u00a0\u00a0
Richard Stiegler<\/em><\/p><\/blockquote>
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